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Mein erstes Camping-Abenteuer

Freitag, 17 Oktober 2014

Zelten habe ich nicht gerade mit der Muttermilch eingesogen. Wir haben schon mal Urlaub auf einem Campingplatz gemacht, aber meine Eltern entscheiden sich dann für eine Ferienwohnung oder ein Chalet. Als meine beste Freundin mich in unserem Abschlussjahr fragte ob ich mit ihr mit der Bahn (InterRail) Europa entdecken möchte, zögerte ich kurze Zeit. Ich, mit einem Rucksack herumschleppen und in einem kleinen Igluzelt übernachten? Warum auch nicht? Man gelangt überall und – wichtig uns als künftige Studenten – es war nicht so teuer.

Mit dem Rucksack in den Zug hinein

Zwei Tage nach der Abschlussfeier brachten unsere Eltern uns an den Zug in Emmerich (D). Wir waren beide mit einem großen, schweren Rucksack bewaffnet. Meine Freundin trug das Zelt, ich die Schlafmatten und die Schlafsäcke. Irgendwo in unseren Rucksäcken befand sich ein Campingkocher (mit einem Brenner), zwei Töpfe, zwei Teller, zwei Tassen und Besteck. Wir hatten beide für 600 niederländische Gulden an Travelers Cheques mitgenommen, die wir einwechseln mussten, um Bargeld zu bekommen. Geld am Automaten abheben war damals schon möglich, aber im Ausland konnte man die Bankkarte damals noch nicht verwenden. Wir wollten versuchen, es mit diesem Betrag einen Monat auszuhalten.

Betrug von Paris

Unser erstes Ziel war Paris. Wir kamen am Gare du Nord an und gingen auf der Suche nach der U-Bahn. Wir wurden hierbei von einem freundlichen Pariser begleitet. Dachten wir... Es stellt sich heraus, dass er ein ordinärer Gauner war. Unser U-Bahn-Ticket in Richtung Bois de Bologne kostete ein Vermögen. Also am ersten Tag hatten wir schon wegen unserer Naivität ein für uns kleines Vermögen durchgebracht. Zum Glück hatten wir unser Zelt schnell aufgebaut und machte Paris weiter viel gut, aber weil Paris eine teure Stadt war, fuhren wir zwei Tage später weiter in die Richtung von Bordeaux. Um dorthin zu gelangen, wollten wir den Nachtzug nehmen, aber dieser fiel aus.

Da waren wir, ganz alleine am Gare du Nord. Nicht eine sehr attraktive Aussicht. Selbstverständlich wurden wir aus dem Bahnhof weggeschickt und wir verbrachten die Nacht auf der Straße. Zum Glück für uns erlitten 17 Bulgaren das gleiche Schicksal und sie kümmerten sich um uns. Mit einigen Getränken und gute Musik war es schon schnell Licht.

Verbrannte Augenlider

Wir nahmen dann letztendlich den Tageszug nach Bordeaux und entschieden uns, auf einem Campingplatz in der Nähe des Meeres zu verbleiben, in Arcachon. Dort kamen wir erst nach einem sehr langen Spaziergang in der brennenden Sonne mit unseren schweren Rucksäcken. Ungefähr jedes dritte Auto hupte und rief nach den beiden.

blonden Mädchen... Der Campingplatz war prima und der nahegelegene Supermarché sogar noch besser. Ich habe auch niemals mehr einen so eiskalten Orangensaft genossen. Arcachon war sehr schön und der Strand herrlich, aber die Kombination von Sonne und Wind am Atlantik ist doch eine andere als die im Osten der Niederlande. Ergebnis: Verbrannte Kniekehlen, Achselhöhlen und sogar Augenlider.

Viva Venezia

Von Bordeaux aus reisten wir nach Villeneuve bei Nizza. Auch dort war es schön, aber für uns eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg nach Venedig und um meinen 18. Geburtstag zu feiern.

Rund um Venedig ist für Touristen alle gut organisiert; Wassertaxis, Shuttle-Busse, Taxis. Genügend Möglichkeiten also, um in die Stadt zu geraten. Venedig war bezaubernd und sogar ohne Karte und Orientierungssinn kam wir auf den Piazza San Marco an. Eine Fahrt wäre sehr schön gewesen, aber leider hat unser Budget diese nicht zugelassen. Wir wollten noch ungefähr zwei Wochen wegbleiben und mehr als drei Viertel unseres Budgets war schon ausgegeben.

Chillen in Jugoslawien

Nach all der Schlepperei in der Stadt wollten wir mal kurze Zeit gar nichts außer schwimmen und faulenzen und der Zug führte uns nach Jugoslawien. Von Triest aus nahmen wir den Zug nach Ljubljana, wo wir innerhalb von einer Viertelstunde umsteigen mussten, damit wir unser nächstes Ziel Zadar erreichen konnten. Fünfzehn Minuten müsste reichen. Dachten wir… Aber Nein. Informationstafeln gab es dort nicht und Hilfsbereitschaft offensichtlich ebenfalls nicht. Ergebnis: Vier Stunden warten auf den nächsten (späten) Zug mit Ankunft sehr spät am Abend in Zadar. Zum Glück durften wir unser Zelt noch aufbauen und unsere Nachbarn erleuchten uns, während wir das Zelt montierten. Der Campingplatz lag direkt am Meer, also endlich faulenzen. Die Wäsche waschen wir dort auf altmodischen Waschbrettern. Unser Menü bestand aus einem Marmeladenbrot am Morgen und trockenen Nudeln am Abend, denn sogar die Sauce war zu teuer für uns.

Zum Glück hatten wir mit sechs italienischen jungen Männern tolle Nachbarn, die gelegentlich für uns kochten. Gemeinsam haben wir die lokalen Disco unsicher und auf dem Weg in die Diskothek bewiesen wir, dass 8 Personen in einem Fiat Panda schon passen. Die Zeit in Jugoslawien war wunderschön mit einem Hausmeister, der nachts am Lagerfeuer die schönsten Lieder spielte.

Aufwachen in Wien

Nach 10 Tagen von Zadar war es Zeit hauswärts zu gehen. Wir sagten Ciao zu unseren italienischen Freunden, die auch abreisten. Wir nahmen den Zug nach Wien und verblieben dort noch einige Tage. Wir fanden einen Campingplatz mit viel Schatten. Wir stellten unser Zelt unter einem Baum auf und das war schon ein Unterschied mit allen anderen Stellen Campingplätze, wo wir um 7:00 Uhr aus unserem 'brannten'. In Wien schliefen wir bis 11:00 Uhr.

Zwei Tage lang sahen wir uns alle Wiener Sehenswürdigkeiten an und gingen dann endlich nach Hause. Von Wien aus ging unser Zug - nach verschiedenen Zwischenstopps natürlich - in einem Rutsch zu unserem Ziel Emmerich.

Mein erstes Camping-Abenteuer hätte ich trotz einiger Schwierigkeiten für kein Gold der Welt verpassen wollen, aber so 'Back to Basic' bin ich nicht mehr in Urlaub gefahren. Auf der anderen Seite, was braucht man denn eigentlich, wenn man jung und unterwegs zu warmen Orten ist. Aber heutzutage nehmen wir mehr Sachen mit und auch Kochen auf mehr als einem Brenner ist doch etwas bequemer.

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