Ein Blick in das Wohnmobil von Cor und Annet

Das Wohnmobil von Cor und Annet

TV-Sendungen, in denen Menschen Einblick in ihr Heim gewähren, sind sehr beliebt. Ob es nun um Wohnungen geht, die dringend renoviert werden müssen, um die Herausforderung mit wenig Geld schöner zu wohnen oder um Super-Heimwerker die Hobby-Bastlern helfen: Wir schauen gerne in die Wohnung von anderen Leuten. Aber wie sieht es mit Wohnwagen und Wohnmobilen aus? Fragen Sie sich auch manchmal wie andere Urlauber ihr Wohnmobil eingerichtet haben? Wir schon! Darum werfen wir regelmäßig einen Blick in einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil. Diese Woche sind wir bei Cor und Annet.

Besitzer des Wohnmobils: Cor (78) & Annet (79)
Camper seit: 1968
Wohnmobiltyp Ford Transit
Baujahr 2005

Wer seid Ihr?

"Ich bin Cor, inzwischen also 78 Jahre alt. Meine berufliche Laufbahn begann 1963 als Auszubildender zum technischen Zeichner bei den städtischen Werken in Den Haag. Danach habe ich eine Zeit lang als Kellner in Vlaardingen gearbeitet und später noch drei Jahre bei ICI in Rozenburg als Operator. 1970 wurde ich von einer neu gegründeten Druckerei in Schiedam gefragt, ob ich Drucksachen ausliefern und abholen und alle anfallenden Arbeiten übernehmen könnte. Insgesamt habe ich 35 Jahre in der grafischen Industrie gearbeitet, davon die letzten zehn Jahre bis zu meinem vorgezogenen Ruhestand bei KLM."

"Annet ist 79 Jahre alt. Ich habe sie kennengelernt, als sie im selben Restaurant zu arbeiten begann. Sie arbeitete in der Küche und half gelegentlich auch im Service als Kellnerin. Nach unserer Hochzeit 1967 in Vlaardingen, dort wurde 1969 auch unsere Tochter geboren, zogen wir nach Maassluis. Dort kam 1972 unser Sohn zur Welt. Unser Sohn lebt heute in den Niederlanden, unsere Tochter in Dänemark. Inzwischen haben wir fünf, mittlerweile ebenfalls erwachsene, Enkelkinder, und das erste Urenkelkind ist bereits unterwegs."

"In meiner Freizeit beschäftige ich mich nach wie vor mit der Erstellung von Kalendern, Programmen und anderen Drucksachen sowie mit der Entwicklung kleiner Buchhaltungs- und Kalkulationsprogramme. Seit 2004 leben wir in Winterswijk. Nicht etwa, weil wir dann so schön nah bei Obelink wohnen würden, sondern weil es sich einfach so ergeben hat."

Wie lange campt Ihr schon?

"Alles in allem, inzwischen fast 60 Jahre!"

"1970 sind wir zum ersten Mal gemeinsam mit Freunden campen gegangen, mit einem größen, geliehenen (und extrem schweren) Zelt. Drei Familien mit insgesamt sechs Kindern auf einem völlig verlassenen Campingplatz am Meer bei Marseillan Plage in Südfrankreich. Weil niemand da war, nicht einmal der Platzwart, haben wir selbst ein paar Toiletten und Duschen gereinigt. Drei Wochen lang standen wir dort ganz allein. Der Platzwart kam nur zufällig einmal vorbei und begrüßte uns freundlich. Wir bezahlten für die Zeit, die wir bleiben wollten, und haben ihn danach nicht wieder gesehen. Das war damals noch möglich. Eine lustige Erinnerung: Kurz bevor wir damals nach Frankreich fuhren, ließ ich an meinem Simca 1000 vier neue Reifen montieren. Als wir dort ankamen, waren sie so glatt, dass man darauf Ski fahren konnte. In Nice habe ich dann neue Michelin-Reifen aufziehen lassen. Die Kinder schliefen auf einem provisorischen Bett, das zwischen den Vordersitzen und der Rückbank aufgebaut war, heute unvorstellbar."

"Frankreich ist immer unser Lieblings-Campingland geblieben. Viele Jahre lang sind wir immer wieder auf demselben Campingplatz gefahren, später dann auch unter anderem in die Dordogne."

"Als die Kinder aus dem Haus waren, haben wir bei Obelink ein Nomad Wing 4 gekauft. Das war das schönste Tunnelzelt, das wir je hatten. Wir haben es genutzt, bis es wirklich bis auf den letzten Faden abgenutzt war und man durch das Innenzelt nach draußen schauen konnte. Zwar mussten wir das Zelt im Laufe der Jahre immer wieder reparieren, aber es war einfach ein Top-Zelt."

"Einmal suchten wir abends spontan einen Campingplatz und kamen auf einem Platz an, auf dem ausschließlich Wohnmobile standen. Wir fanden noch einen freien Stellplatz dazwischen. Als wir morgens aus dem Zelt krochen, kam jemand aus einem Wohnmobil auf uns zu und sagte, er habe großen Respekt vor uns, weil wir in unserem Alter noch mit einem Zelt campen würden. Schade nur, dass unsere Knochen etwas steifer geworden sind, sonst hätten wir es wahrscheinlich heute noch genutzt."

"Im Jahr 2000 haben wir einmal ein großes Wohnmobil gemietet und sind mit unseren drei Enkelsöhnen im Alter von sechs, acht und zehn Jahren durch Frankreich gereist. Das war unsere erste Wohnmobil-Erfahrung. Da ein eigenes Wohnmobil für uns damals noch zu teuer war und ich noch gearbeitet habe, kauften wir anschließend einen gebrauchten kleinen Kip-Wohnwagen, so einen mit schräg abfallender Front. Wie das Modell genau hieß, weiß ich nicht mehr. Später kam noch ein größerer Wohnwagen dazu, dessen Namen mir ebenfalls entfallen ist. Tsja, die Jahren fordern eben ihren Tribut."

Wie verlief der Kauf Ihres Wohnmobils?

"Mein Schwager und meine Schwägerin besaßen ein Haus in den Niederlanden und eines in Torrox in Südspanien. Im Jahr 2005 hatten sie für die Fahrten dorthin und zurück einen neuen geschlossenen Ford Transit gekauft. Der Bus war bereits ein wenig wie ein Wohnmobil ausgebaut, mit einem Bett im Heck und einer kleinen Küchenzeile mit einem Schrank darüber. Als Sie 2023 endgültig nach Spanien zogen, wurde der Bus nicht mehr benötigt. Der (Diesel-)Bus war vom Erstbesitzer immer gut gewartet worden und hatte laut NAP erst 118.000 Kilometer auf dem Tacho."

"Ich bin kein Mensch, der stillsitzen kann, und so entstand die Idee, den Bus zu übernehmen und ihn als Winterprojekt zu einem ,,richtigen" Wohnmobil auszubauen, so, wie ich es mir vorstellte. Im Oktober 2023 flogen mein Sohn und ich nach Malaga, holten den Bus dort ab und fuhren in drei Tagen insgesamt 2.540 Kilometer nach Hause. Im Oktober 2023 begann ich mit dem ,,Aufhübschen", und im August 2024 war er endlich bereit für die erste Reise. Es war also ein langer Winter ;)."

Wie verlief der Umbau des Wohnmobils?

"Da es sich um einen geschlossenen Bus handelte, war es für mich noch kein echter ,,Kastenwagen". Ich wollte unbedingt etwas Licht und zumindest ein wenig Aussicht haben. Tsja, dafür musste ein Loch in die Seitenwand geschnitten werden, um ein Fenster einzubauen. Ein bisschen Verkleidung entfernt, und wie so oft kam eines zum anderen. Am Ende wurde der gesamte Innenraum des Busses komplett aufgeräumt. Alles, was ich wiederverwenden konnte, habe ich sorgfältig aufgehoben."

"Eigentlich war es keine einfache Umbaumaßnahme mehr, sondern eine komplette Renovierung. Der Bus war leer, und nun? Keine Erfahrung mit solchen Projekten, aber sehr wohl eine klare Vorstellung davon, was hinein sollte. Da wir beide nicht mehr die Jüngsten sind, wollte ich am liebsten zwei Längsbetten einbauen. Aber wie lässt sich so etwas überhaupt umsetzen?"

"Also begann alles mit Messen und dem Zeichnen eines Grundrisses. Was kann wohin? Wie bekommt man zwei Längsbetten in einen Bus mit nur 1,98 Meter Breite? Und dann all die Fragen: Wohin mit der Toilette, dem Wassertank, der kleinen Küche? Wie befestigt man Schränke an einer Stahlseitenwand und an einem Dach, das alles andere als eben ist? Und so ließe sich die Liste noch lange fortsetzen."

Woher haben Sie Ihre Inspiration genommen?

"Der Bus stand bei uns im Vorgarten auf dem Rasen. Man hat einen Plan und dann legt man einfach los. Ich habe in der Garage zuerst mit den Oberschränken angefangen. In diesem Bus war nichts wirklich gerade, also hieß es: immer wieder anhalten, ausmessen, anpassen, und manchmal eben auch von vorn anfangen. Aber während man arbeitet und nach und nach etwas entsteht, kommt die Inspiration ganz von selbst. Man liest im Internet, wie man bestimmte Dinge umsetzen kann und worauf man achten sollte. Dann sucht man nach Lösungen und Material im Laden. Und zwischendurch fragt man auch mal an der Service-Theke nach Rat, was man am besten verwenden sollte, und so weiter."

Bekommen Sie viele Reaktionen, wenn Sie mit dem Wohnmobil unterwegs sind?

"Schon beim ersten Mal, als wir das Wohnmobil ,,ausprobiert" haben und ich auf dem Campingplatz die Hecktüren öffnete, kamen sofort Zeltcamper herüber, um zu schauen und zu fragen: Haben Sie das alles selbst gebaut? Die Bemerkung, ,,Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie ihn verkaufen" fand ich besonders witzig, und sie wurde auch am häufigsten gesagt. Aber vorerst wollen wir erst einmal selbst sehen, wie es uns damit ergeht."

Was sind Ihre Pläne mit dem Wohnmobil?

"Nach einem Testwochenende in den Niederlanden sind wir mit dem Camper dorthin gefahren, wo er herkommt: nach Torrox in Südspanien. Dort standen wir fast drei Wochen auf einem Campingplatz. Im letzten Jahr waren wir zweimal jeweils zwei Wochen in Dänemark und außerdem zehn Tage in Frankreich unterwegs. Eigentlich haben wir keine feste Vorliebe, wir schauen einfach, wo es uns hin verschlägt. Aber dass Frankreich und Dänemark naheliegen, versteht sich irgendwie von selbst."

"Es war ein unglaubliches lehrreiches Projekt. Manchmal spiele ich noch mit dem Gedanken, nach einem etwas längeren und höheren Bus zu suchen, aber ich glaube, mein Körper würde es inzwischen nicht mehr mitmachen, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Ich würde es im Prinzip genauso wieder machen, mit derselben Aufteilung, aber zusätzlich mit einer Sitzgruppe zwischen Bett und Küchenzeile und gegenüber einem hohen Schrank. Ideen hätte ich auf jeden Fall noch genug."

Haben Sie Ihren Wohnwagen oder Ihr Wohnmobil auch umgebaut, bemalt oder möchten eine andere besondere Geschichte über Ihren Wohnwagen, Ihr Wohnmobil oder Zelt mit uns teilen? Schicken Sie uns dann eine Mail an [email protected] und vielleicht kommt Ihre Geschichte dann auf unsere Webseite.


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